
Hirschbrunft auf dem Darß
Ich liebe es alleine zu fotografieren. So habe ich mir gesagt, dass ich niemals zur Hirschbrunft auf dem Darß möchte. Als ich dann auf Rügen einen Ort fand, an dem ich die Hirschbrunft am Wasser für mich alleine erleben konnte, war der Entschluss besiegelt.
Nun Jahre später grüße ich euch herzlich vom Darß =). Nicht nur das, nein, mit einem Freund (wir nennen ihn der einfachheitshalber Danilo...weil er so heißt) zusammen habe ich mich aufgemacht zum wohl meist fotografiertesten Naturevent Deutschlands, die Hirschbrunft vor der Ostsee.
Die Hängematte sollte für die kommenden Tage mein Schlafplatz im Wald sein, so zumindest die Vorstellung...
Das Zelt habe ich als Notnagel aber eingepackt.
16 Uhr Ankunft, gemeinsam mit meinem Freund am Campingplatz Prerow. Überraschung: Zeltplatz gibt es nur auf den Dünen am Strand. Keine Bäume für eine Hängematte, viel feiner Sand, welcher das Fotografenherz höher schlagen lässt.... nee schneller... weil Sand in Kamera kacke ist...
Mit wenigen routinierten und durchprofessionalisierten Superhandgriffen war mein Zelt aufgebaut... und Danilo? Der hatte seine Zeltstangen vergessen. Das Survivalherz brannte! Schlafen ohne Zelt, gar kein Problem!
Wir hatten schließlich schönes angenehmes Wetter, was soll schief gehen...(dazu später mehr)
Schnell noch ein Fahrrad ausgeliehen, zum Glück bietet das Regenbogencamp eine Möglichkeit zum Ausleihen... also eigentlich, aber nicht mehr an diesem Wochenende. Der Saisonabschluss war im vollen Gange und es gab keine Möglichkeiten mehr, also ging es für uns zurück nach Prerow, Fahrrad ausleihen, wieder zurück zum Campingplatz, Schlüssel für das Fahrrad suchen, ach da im Sand und endlich los zum Fotografieren.
Drei T-shirts und Fünf Nerven später, waren wir endlich da. Viele Naturbegeisterte, Jäger und Fotografen, verrieten uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren.
An einer Aussichtsplattform beschlossen wir, zu warten und zu beobachten.
Die ersten Hirsche röhrten und ab und an konnte man ein Geweih durch das Schilf blitzen sehen. Eine Hirschkuh stand auf einer Düne, während ein Trupp Kormorane über sie Hinweg flog.
Dann endlich betrat ein Platzhirsch die Bühne. Laut röhrend wurde nur sein Kopf von der tiefstehenden Sonne beschienen.
Das leise tuscheln der Menschen links und rechts neben uns war verstummt und Spannung und Aufregung nahm ihren Platz ein.
Eigentlich wollte ich sowas schreiben, wie das Klicken der Kamera nahm ihren Platz ein... aber wir sind hier nicht mehr im Jahre 2010...Auslösegeräusche waren fast die Seltenheit. Im Zeitalter der Spiegellosen Kameras, ist dieser Ton fast ausgestorben.
Mit dem eintauchen der Sonne in die Ostsee, machten sich die meisten Fotografen und Naturbegeisterten auf dem Heimweg.
Wir hingegen wollten noch verweilen. Wir wollten den gesamten Tag nutzen und auch die Dunkelheit.
So ging das eigentliche Spektakel erst los, als die untergegangene Sonne den Himmel in Pastellfarben erstrahlen ließ. Ein Hirsch präsentierte sich auf der Düne und wir waren die einzigen die diesen Moment erleben durften. Mit Wärmebild konnten wir hier und da die Bewegungen der Hirsche noch verfolgen, bis direkt neben uns ein Hirsch aus dem Dickicht heraus trat. Durch den Sucher konnte ich kaum noch was sehen, aber die lange Belichtungszeit der Kamera, offenbarte, was sonst im verborgenen geblieben wäre.
Nun ließen wir den aufgehenden Blutmond hinter uns und machten uns auf den Heimweg. Und was für einen Heimweg, der Tag hatte scheinbar seine Spuren hinterlassen und er zog sich wie ein kalter Popel.
Endlich kamen wir an unseren Rädern an und fuhren zu unseren "Zelten". Reichlich nach 21 Uhr erreichten wir diese und für den Draußenschläfer zeichnete sich eine kalte nebelreiche Nacht ab. So beschloss Danilo, sein Stativ aufzubauen, um das Zelt zu stützen.
Ich habe mega gut geschlafen, sehr schnell bin ich weg gewesen und um 4 Uhr riss mich meine Uhr aus dem Schlaf.
Danilo hingegen hat in der Nacht ungefähr eine Millionen mal sein Stativ umgerissen und dementsprechend nicht so gut geschlafen.
Aber es half nix, der Eine mehr, der Andere etwas weniger motiviert ging es los und wir fuhren wieder zu unserem Aussichtspunkt.
Um 5:00 Uhr morgens erreichten wir unseren Fotospot. Zwischen vereinzeltem röhren der Hirsche, dem Bodennebel und dem hellen Mondlicht waren wir die einzigen die sich zu so früher Stunde aufgemacht hatten.
Also suchten wir Bildausschnitte, tranken Kaffee und genossen die Ruhe.
Mit Beginn der blauen Stunde setzte langsam der Besucherverkehr ein und es füllte sich ein Wenig.
An der vorher ausgesuchten Stelle überschritt tatsächlich im schönsten Nebel ein Hirsch die Düne. Er verharrte Kurz und brüllte den Morgen an.
Ich hingegen hatte gerade dummerweise die Objektive gewechselt und ausgerechnet in diesem Moment das falsche auf der Kamera, sodass ich wieder zurück tauschen musste. Dabei wurden wieder Werte in den Sand geschmissen, über die ich zum Glück nicht so oft nachdenke. (Hoffe meine Versicherung liest hier nicht mit)
Je höher die Sonne dann schritt desto mehr spielte sie mit dem Nebel, sodass ein Naturschauspiel entstand, wie ich und alle um mich herum es schon lange nicht mehr erlebt hatten. Die Wiesen mit ihren Spinnenweben, vollgepackt mit schweren Tautropfen färbten sich golden und glitzerten im Licht. Nebelschwaden durchzogen sichtbar die Landschaft.
Allen Fotografen, denen ich an diesem Morgen ins Gesicht schaute, war die Freude über so einen Moment anzusehen.
Ich freute mich über die Freude der anderen und fand es in diesem Moment wahnsinnig befriedigend, so einen Moment mit anderen zusammen erleben zu können.
Als die Sonne den letzten Nebeltropfen verschlang, die Temperatur wärmer wurde und der letzte Tropfen Kaffee versiegte gingen wir zurück zum Basislager.
An meinem Zelt konnte ich Spuren eines Fuchses finden. Mein kleiner Beutel mit dem Essensvorrat war herausgeholt, aber zum Glück gleich wieder liegen gelassen worden.
Wir aßen etwas und machten einen kleinen Mittagsschlaf.
Zum Nachmittag machten wir uns wieder auf.
An dem Samstag wurde es sehr voll, voller als den Tag zu vor.
An unserem Fotopunkt begannen schon die Festspiele, die Festspiele der Stative.
Vom Uralt Berlebach Holzstativ bis Gitzo Nimbus 6000 war alles vertreten. Die Stativbeine tanzten ihren eigenen Tanz, auch eine Art Brunft der Stative könnte man sagen. Sie klapperten und knirschten und wurden auch gerne mal über die Absperrung hinaus aufgestellt, um auch wirklich den letzten cm mit dem 800mm Objektiv herauszuholen.
Der Abend verlief dann bis zum Sonnenuntergang unspektakulär, sodass die Dreibeine wieder sicher in den Fotorucksack verstaut wurden und der Heimweg angetreten wurde.
Also wir nicht, wir gingen wieder los und wollten uns die schöne Abendfärbung nicht entgehen lassen.
Auch dieses mal wurden wir nicht enttäuscht, so konnten wir wieder an gleicher Stelle durch das Gemüse fotografieren und konnten zufrieden zurück zum Zelt gehen.
SurvivalExperte Danilo, beschloss im Auto zu schlafen und ich ging wieder in mein Zelt.
Wir gönnten uns eine erholsame Nacht bis 4:30 dann der Wecker klingelte. Auf halben Weg in den Dünen traf ich einen Fuchs. Er gab mir deutlich zu verstehen, dass er sich heute mein Essen holen wolle. Nicht mit mir! Ich hatte es besser weggepackt! HA!
Unser spätes aufstehen hatte fatale Folgen, so kamen wir erst als zweites am Fotospot an...
Der Nebel zog an diesem Sonntag morgen deutlich dichter und schwerer über die Wiesen.
Eine Gruppe von ca. 15 Leuten kam geschlossen an und mehr und mehr füllte sich der Aussichtspunkt.
Aufregung am Aussichtspunkt, ich entschloss mich dieser zu folgen. Während ich meine Position wechselte, ging ich an den vielen Stativen vorbei, die wie festgenagelt mir hinterher blickten und sich wünschten ein wenig mobiler zu sein.
Also ich hab nix gegen Stative, ich brauche auch ab und an eines und es hilft manchmal ungemein. Aber ich fand es sehr befreiend an dem Wochenende keines dabei gehabt zu haben und es war für die Kreativität einfach schöner und wenn man mal steht, steht man und kann sich weniger aufraffen, die Position zu ändern.
Ich kam gerade rechtzeitig an, als ein Hirsch ein Gewässer durchquerte. Ich hatte eine lange Belichtungszeit gewählt, weil ich noch einen nebligen Mitzieher im Blick hatte und wurde wahnsinnig belohnt.
Mit dieser Serie, machte sich ein richtiges Sättigungsgefühl breit. Ich hatte schon lange nicht mehr so viele gute Momente zum fotografieren erlebt und auch einfangen können. Ich war sehr zufrieden.
Wir beendeten unsere Tour mit einem Rundgang über den Strand, brachten das Fahrrad zurück und verließen den Campingplatz.
Mein Fazit zur Hirschbrunft auf dem Darß:
Es ist eine wirklich einmalige Kulisse, bei der sich wundervolle Motive bereitwillig zeigen und man so zu schönen Fotomöglichkeiten oder auch Beobachtungsmöglichkeiten kommt. Auch neben den viel begangenen Wegen und vor allem Zeiten findet man Orte der Ruhe und Einsamkeit. Gerade nach dem Sonnenuntergang sind für mich die schöneren Bilder entstanden.
Ich würde nächstes Jahr nicht unbedingt nochmal wieder kommen, aber sicherlich irgendwann mal. Es waren wirklich super viele Leute und mich bremst das oft in der kreativen Entfaltung. Ich liebe es aber auch einfach komplett alleine für mich zu sein.
Puh das war der erste Blogeintrag. Wenn du es wirklich bis hier her geschafft hast, Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Krass hätte ich nicht gedacht.
Lass gerne ein Kommi da! ( wie die Jugend so sagt)
























